Johann Sebastian Bach hatte in Köthen als fürstlicher Kapellmeister bei Hofe zu dienen. Zu seinen Aufgaben gehörte die fürstliche Kammermusik, nicht aber liturgische Aufgaben wie bisher. So entstanden in Köthen die meisten seiner kammermusikalischen Werke, zum Beispiel die Solo-Sonaten für Violine und Violoncello BWV 1001–1006 oder die Six Concerts Avec plusieurs Instruments BWV 1046–1051 ("Brandenburgische Konzerte"), aber auch didaktisch angelegte Werke wie der erste Teil des Wohltemperirten Claviers BWV 846–869 sowie die Inventionen und Sinfonien BWV 772–801.

Zu Fürst Leopold von Anhalt-Köthen scheint Bach ein gutes Verhältnis gepflegt zu haben, dies legt jedenfalls die Taufe von Bachs erstem in Köthen geborenem Sohn Leopold August am 17. November 1718 in der Schlosskapelle nahe: Paten und Namensgeber waren Fürst Leopold und dessen jüngerer Bruder August Ludwig, weitere Paten deren Schwester Herzogin Eleonora Wilhelmina von Sachsen-Weimar sowie hohe Hofbeamte (Dok II, Nr. 94). Aus Bachs Köthener Tagen stammt auch das erstmals am 22. März 1722 nachgewiesene Siegel, bestehend aus dem Spiegelmonogramm JSB, umgeben von Lorbeerzweigen und bekrönt von einer fünfzackigen Krone. Das Spiegelmonogramm erscheint sowohl auf dem "Bach-Pokal" im Bachhaus Eisenach als auch auf der Innenseite einer eisernen Truhe, die seit 2010 als Leihgabe im Bach-Museum Leipzig ausgestellt ist.

Rückblickend beklagte Bach im Oktober 1730 gegenüber seinem Ohrdrufer Jugendfreund Georg Erdmann das nachlassende Interesse des Fürsten für die Musik infolge von dessen Verbindung mit Friederica Henrietta von Anhalt-Bernburg. Die Hochzeit fand am 11. Dezember 1721 statt, zehn Tage später erscheint erstmals Bachs Name im Leipziger Ratsprotokoll zur Besetzung des städtischen Thomaskantorats (Dok II, Nr. 119). Allem Anschein nach schied Bach nicht im Unfrieden aus Köthen, denn schon im April 1724 gab er mit seiner Gattin Anna Magdalena hier ein Gastspiel (Dok II, Nr. 184). Ein weiterer Auftritt des Köthener Kapellmeisters und Thomaskantors ist um den 5. Januar 1728 (Dok II, Nr. 241) nachgewiesen. Den Titel des anhalt-köthenischen Hofkapellmeisters führte Bach bis auch nach dem Tod des Fürsten Leopold im November 1728.

Bildnachweis: Dr. Markus Zepf (Bach-Archiv Leipzig, März 2019)