Der Alltag in der Bach-Familie

Johann Sebastian Bachs Vater Johann Ambrosius hatte 1671 die Leitung der Eisenacher Stadtmusik übernommen und zog im Oktober mit seiner Familie von Erfurt hierher. Er bildete Musikerlehrlinge aus, die üblichen Gepflogenheiten folgend, während ihrer Lehrzeit in seinem Haushalt lebten und Lehrgeld bezahlten. Laut Anstellungsurkunde hatte er täglich mit seinen vier Gesellen vom Rathausturm zu musizieren ("Abblasen"), nämlich "mittags ümb 10 uhr, deß abends aber ümb 5 uhr". Weiter hatten Johann Ambrosius Bach und seine Gesellen in der Georgenkirche sonn- und festtags "vor undt nach der Predig, vor undt nachmittag beym Gottes Dienst nach anordnung des Herrn Cantoris aufzuwarten". Mit anderen Worten wuchs Johann Sebastian Bach in einem musikalischen Haushalt heran und lernte schon in Kindertagen die Pflichten eines Berufsmusikers kennen, der zugleich Diensten eines musikverständigen Duodezfürsten stand.

Zu Johann Ambrosius Bachs Entlohnung gehörte eine bestimmte Menge Leichtbier, das so genannte Koffent, das aus dem zweiten Aufguss gewonnen wird. Außerdem durfte Johann Ambrosius Bach für den Eigenbedarf einen Haustrunk brauen, wobei unklar ist, ob dies zuhause oder in einem der städtischen Brauhäuser geschah. Die Residenzstadt Eisenach bestand um 1700 aus 1205 Häusern, davon waren 257 Brauhöfe. In Eisenach lieferten elf Laufbrunnen das zum Brauen wie auch für den täglichen Bedarf nötige Trinkwasser, hinzu kamen 33 Pump- und Ziehbrunnen. Kontrolliertes Trinkwasser, wie es heute Standard ist, gab es nicht.

Zu einem unbekannten Zeitpunkt erwarb Johann Ambrosius Bach ein Haus in der Fleischgasse, der heutigen Lutherstraße 35. Hier wurden seine jüngsten Kinder geboren und hier wuchs Johann Sebastian Bach die ersten zehn Jahres seines Lebens offenbar in sozial gesicherten Verhältnissen heran. Anders Johann Christoph Bach, der aus Arnstadt gebürtige Vetter seines Vaters Johann Ambrosius Bach. Dieser bekleidete von Dezember 1665 bis zu seinem Tod 1703 die Stelle des Stadtorganisten und geriet zusehends in finanzielle Bedrängnis. Mit großem Einsatz initiierte er den Neubau der großen Orgel in der Georgenkirche durch Georg Christoph Stertzing, deren Vollendung er aber nicht mehr erlebte.