Auch wenn Johann Sebastian Bach als Hoforganist und ab 1714 als Konzertmeister nicht am 1712 durch Herzog Wilhelm Ernst gegründeten Gymnasium tätig war, bestanden doch einige personelle Beziehungen. So war ab 1712 Johann Christoph Kiesewetter (1666–1744) hier Rektor. Zuvor hatte er die Lateinschule in Ohrdruf geleitet, die Johann Sebastian Bach 1695–1700 besuchte (Dok II, 4). Stadtkantor Reineccius wirkte am Weimarer Gymnasium als Lehrer (Quartus) und Johann Matthias Gesner (1691–1761) ab dem 13. März 1715 als Konrektor und zugleich Bibliothekar der Schlossbibliothek Weimar. Ihm begegnete Bach wieder in Leipzig, wo er 1730–1734 als Nachfolger Johann Heinrich Ernestis zum Rektor der Thomasschule gewählt wurde. In einer Fußnote zu einem Satz Quintilians rühmt Gesner 1738 nicht nur Bachs virtuoses Orgelspiel, sondern beschreibt ferner dessen Kunst der Ensembleleitung, wenn auch bisweilen etwas idealisiert-überhöht dargestellt (Dok II, 432).

Untergebracht war das Gymnasium anstelle der alten Land- und Stadtschule, die Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen-Weimar 1561 gegründet hatte. Das alte Schulhaus am Töpfermarkt ließ Herzog Wilhelm Ernst infolge der Neugründung 1712 abbrechen und durch Baumeister Christian (II.) Richter östlich der Stadtkirche St. Peter und Paul einen freistehenden dreigeschossigen Neubau mit doppelläufiger Treppe, Mittelrisalit und Segmentbogen in Blickachse der Kaufstraße errichten. Rasch entwickelte es sich zu einer wichtigen Pflegestätte humanistischer Bildung.

Bildnachweis: Dr. Markus Zepf (Bach-Archiv Leipzig, Juni 2019)