Am 29. Dezember 1717 verbuchte die Hofkammer des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen erstmals eine Zahlung an den "Neuangenommenen CapellMeister Johann Sebastian Bachen". Bis er die Residenz im Mai 1723 in Richtung Leipzig wieder verließ, schuf er hier ein beachtliches kammermusikalisches Werk.

Ähnlich wie Arnstadt und Weimar war Köthen eine Stadt von überschaubarer Größe. Innerhalb der Stadtmauern lebten etwa 3.000 Einwohner, die Wege waren kurz. Der um 1720 entstandene Kupferstich zeigt die Residenz in idealisierter Ansicht von Süden. Sie basiert auf einem 1650 von Caspar und Matthäus Merian in deren umfangreicher Topographie veröffentlichten Ansicht und unterscheidet sich nur in Details, etwa der neuen lutherischen Agnus-Kirche (C).

Das am Abzweig der Handelsstraße Magdeburg – Halle/Leipzig gelegene Köthen ist erstmals um 1115 urkundlich erwähnt. Albrecht von Sachsen (auch Albrecht der Bär genannt), entwickelte den Ort zu einem wichtigen Herrschafts- und Handelszentrum der Askanier, das zwischen 1244 und 1847 Residenzstadt war. Das erhöht dargestellte Schloss (A) lag außerhalb des Stadtzentrums, den städtischen Mittelpunkt bildete die westlich gelegene Stadt- und Kathedralkirche St. Jakob (B) mit dem Marktplatz. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts war außerhalb der Stadtmauer die mit eigenen Wallanlagen geschützte Neustadt entstanden, die 1620 mit der Altstadt vereinigt wurde. Die wachsende Stadt ließ Fürst Leopold von Anhalt-Köthen 1719 nach Westen erweitern. Anstelle von Gärten und Teilen der Wallanlage entstand die ringförmige Wallstraße mit zweigeschossigen Bürgerhäusern und Gärten.

Im Zuge der Reformation wandte sich die askanischen Fürsten von Anhalt-Köthen 1525 zunächst dem lutherischen, ab 1606 dem calvinistisch-reformierten Bekenntnis zu. Fürst Emanuel Lebrecht heiratete 1692 heimlich und gegen den erklärten Willen seiner Eltern die niederem lutherischem Landadel entstammende Gisela Agnes von Rath. Der calvinistische Fürst unterstützte den Einsatz seiner Frau für die lutherischen Untertanen und pflegte eine liberale Religionspolitik. Aus politischen Gründen konvertierte das Haus Anhalt-Köthen 1825 zum Katholizismus; westlich des Schlossareals entstand die katholische Schlosskirche (heute St. Mariä Himmelfahrt).

Bildnachweis: Bach-Archiv Leipzig