Südlich der Stadtkirche St. Jakob erstreckte sich einst der Jakobskirchhof, der Anfang des 16. Jahrhunderts mit Marktständen überbaut wurde. Diese wurden im Laufe der Jahrzehnte zu eigenständigen Kleinwohnungen um- und ausgebaut. Einen lebendigen Eindruck der Wohn- und Lebenssituation in der Totengasse vermittelt das Aquarell aus dem 19. Jahrhundert. Die inselförmige Bebauung des Marktplatzes mit kleinen und kleinsten mehrgeschossigen Wohnhäusern bestand bis in die 1970er Jahre. Im Zuge der Stadtrekonstruktion wurden die Gebäude zugunsten eines großzügigen Platzes abgebrochen.

Köthener Überlieferung zufolge soll sich in einem der Inselgebäude (Marktstraße 11) die Wohnung der Familie Bach befunden haben. Ernst König sprach sich 1959 im Bach-Jahrbuch gegen diese Annahme aus, da einmal die wachsende Familie, zum Andern aber die in Bachs Wohnung abgehaltenen Proben der 14 bis 18 Mann starken Hofkapelle in krassem Widerspruch zur geringen Fläche dieser Häuser stehen.

Bildrechte Aquarell: Köthen Kultur und Marketing GmbH. Foto: Dr. Markus Zepf (Bach-Archiv Leipzig, Februar 2019)