Auf dem heutigen Marktplatz erhebt sich die reformierte Stadt- und Kathedralkirche St. Jakob. Die Fürsten von Anhalt-Köthen waren zugleich Oberhaupt der Kirche ihres Landes, weshalb die Stadtkirche zur Kathedralkirche wurde und bis zum Übertritt des Hauses Anhalt-Köthen zum Katholizismus als deren Grablege fungierte.

Die Baugeschichte der spätgotischen dreischiffigen Hallenkirche ist anhand von Inschriften gut nachvollziehbar. Die Umfassungsmauern von Langhaus und dem eingezogenen Chorraum entstanden zwischen 1400 und 1430, die Innenausstattung war 1518 abgeschlossen. Im Westen schloss sich ein quadratischer Glockenturm an, der 1599 einstürtzte und nicht wieder aufgebaut wurde. In dieser Form präsentiert sich das Gotteshaus auf der um 1720 entstandenen Stadtansicht. An der Südseite des Langhauses entstand um 1470/80 eine Sakristei mit Doppelgeschossen, die im Zuge der tiefgreifenden Umgestaltungen des 19. Jahrhunderts zu einer Eingangshalle wurde. Eine Vorstellung, wie die Stadt- und Kathedralkirche zur Bach-Zeit aussah, vermitteln zwei Architekturzeichnungen, die vor den tiefgreifenden Umbauten unter der Leitung von Vincenz Statz 1866–1869 entstanden.

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Das Innere der Kirche erhielt im 17. und 18. Jahrhundert schrittweise seine barocke Ausstattung. Auf der Westempore hatten Zacharias und Andreas Thayßner 1674–1676 eine neue Orgel mit zwei Manualen und 25 Registern geliefert, die in den folgenden Jahren mehrfach verändert wurde. Von 1713 bis zu seinem Tod 1731 war der ehemalige Köthener Stadtpfeifer Johann Jakob Müller Organist der Jakobskirche; zuvor hatte er von 1707 bis 1712 der Hofkapelle angehört. Neben seiner Tätigkeit als Organist war er fünfter Schulkollege an der reformierten Stadtschule.

Im südlichen Chorraum der Kathedralkirche erhob sich das Mausoleum für Bachs 1728 verstorbenen Dienstherrn Leopold von Anhalt-Köthen. Zur abendlichen Beisetzung am 23. März 1729 und der Trauermusik am folgenden Tag reisten laut Cammer-Rechnung vom 25. März der "anhero verschiebene CapellMeister Bachen, deßen Ehefrau und Sohne auß Leipzig" an, außerdem Musiker für Bachs verlorene Trauermusik "auß Halle, Merseburg, Zerbst, Deßau und Güsten" (Dok II, 259). Mit der barocken Innenausstattung ging auch Fürst Leopolds Mausoleum während der purifizierenden Innenrenovation 1866–1869 verloren. Die barocken Prunksärge des askanischen Hauses fanden in einer neuen Gruft unter dem Chorraum eine neue Ruhestätte.

Das heutige Aussehen der Kirche bestimmt die gotisierende Doppelturmfront mit ihrer charakteristischen Verbindungsbrücke, die Bernhard Sehring 1897–1899 nach dem Vorbild der Marktkirche Halle/Saale und der Stadtkirche Wittenberg erbauen ließ. Die vier Bronzeglocken, 1300, um 1400 und 1587 gegossen, erklangen bereits zu Bachs Zeiten.

Bildrechte Fotos. Dr. Markus Zepf (Bach-Archiv Leipzig, Februar/April 2019)