Alte Münze

Zum Komplex des 1525 aufgelösten Dominikanerklosters (Predigerkloster) gehört ein westlich vom Kloster entlang der Stadtmauer zum Friedhof errichtetes Gebäude mit markantem Spitzdach, das den Mönchen vermutlich als Krankenhaus diente. Nach der Aufhebung des Klosters änderten sich die Nutzungen dieses Gebäudes mehrfach. Herzog Johann Georg II. ließ es nach seinem Regierungsantritt 1686 durch Anbauten zur Münzstätte für Kupfer- und Silbermünzen erweitern. Von April 1696 bis Februar 1700 wohnte der Eisenacher Stadtorganist Johann Christoph Bach in diesem Gebäude.


Der 1642 in Arnstadt geborene Johann Christoph Bach war vermutlich durch seinen Vater Heinrich Bach als Tastenmusiker ausgebildet worden. Im Dezember 1665 trat er das Amt des Eisenacher Stadtorganisten an St. Georgen und Nicolai an. Gemeinsam mit seinem Vetter Johann Ambrosius Bach gestaltete er die Gottesdienste an der Georgenkirche, beide wirkten seit den frühen 1680er Jahren zusätzlich als Hofmusiker in Eisenach. Mit großem Engagement warb Johann Christoph Bach bei den Stadtvätern für den Neubau einer großen Orgel in der Georgenkirche. Der Ohrdrufer Orgelbauer Georg Christoph Stertzing vollendete das mit 58 Registern auf IV Manualen und Pedal ungewöhnlich reich besetzte Werk aber erst 1707. Johann Sebastian Bach nannte ihn im etwa 1735 angelegten Familienstammbaum der „große und ausdrückende Componist“ und sein Sohn Carl Philipp Emanuel ergänzte später, Johann Christoph Bach habe "sowohl galant und singend, als auch ungemein vollstimmig" zu setzen vermocht und sei "in Erfindung schöner Gedanken sowohl, als im Ausdruck der Worte, stark gewesen".

Johann Christoph Bach war im Gegensatz zu seinem Vetter Johann Ambrosius offenbar ein schwieriger Charakter und finanziell weniger erfolgreich. So klagte er im Februar 1692 klagte er dem Stadtrat, dass er mit seiner Familie seit Dienstbeginn in zehn Mietwohnungen gelebt hatte. Ohne Eigenkapitel, aber in Erwartung eines baldigen Erbes erwarb Johann Christoph Bach ein Haus, dessen Kredit er schon länger nicht mehr bedienen konnte, sodass er 1692 um finanzielle Unterstützung bitten musste. Doch vergeblich, der Stadtrat lehnte eine Gehaltszulage ab. Schließlich stellte Herzog Johann Georg im April 1696 dem Musiker und seiner Familie sieben Räume im Münzgebäude neben dem Friedhof zur Verfügung, wobei aus nachvollziehbaren Gründen die Werkräume für den Musiker und seine Familie verschlossen blieben. Doch im Februar 1700 beanspruchte der neue Landesherr, Herzog Johann Wilhelm, die Räume und der Stadtoragnist musste Ausschau nach einer neuen Bleibe halten. Ob er eine passende Unterkunft finden konnte, ist unklar. Am 23. März 1703 wurde Maria Elisabeth Bach auf dem Friedhof hinter der Münze begraben, wenige Tage später, am 2. April 1703, folgte ihr Johann Christoph Bach.

Bildnachweis: Dr. Markus Zepf (Bach-Archiv Leipzig, Juni 2019)