Naschmarkt mit Handelsbörse

Der Handel mit allerhand Waren sowie die drei jährlichen Messen zu Neujahr, Jubilate (dritter Sonntag nach Ostern) und Michaelis (29. September) begründeten Leipzigs Wohlstand. Seit 1635 berieten Kaufleute zu Messezeiten in wechselnden Räumen bei börsenmäßigen Zusammenkünften über Geld- und Wechselkurse, die das bargeldlose Bezahlen der gehandelten Waren ermöglichten. Eine Leipziger Wechselordnung schrieb strenge Regeln fest, die den Handelsplatz Leipzig stärkte. 30 Kaufleute beantragten schließlich 1678 beim Stadtrat den Bau eines Börsengebäudes. Nach eingehender Beratung und einstimmigem Beschluss erfolgte im Schatten des Rathauses an der Nordseite des Naschmarkts am 30. Mai 1678 die Grundsteinlegung für die Handelsbörse in „italiänischer Manier“ eines unbekannten Architekten. Im Erdgeschoss befanden sich Kaufgewölbe, der zunächst schlichte Börsensaal im Obergeschoss war über eine doppelläufige Freitreppe erreichbar und erhielt erst nach einigen Jahren Stuckaturen und Deckenmalereien. Ganzjährig wurde hier dreimal wöchentlich börsenmäßig gehandelt.

Im Zuge der Erweiterung des Rathauses unter Hieronymus Lotter ließ der Rat zahlreiche kleinere Gebäude aufkaufen und abbrechen, sodass östlich des Verwaltungssitzes mit dem Naschmarkt ein vom Rat kontrollierter Handelsplatz für Lebensmittel entstand. Der 1566 von Paul Wiedemann erbauten Garküche waren die Brotbänke vorgelagert, an denen Bäcker ihre Waren feilboten. Im benachbarten Burgkeller schenkte der Rat der Stadt Leipzig sowohl Leipziger Bier als auch das exklusiv eingeführte Torgauer Bier aus. Ein Durchgang stellte die Verbindung zu den Fleischbänken an der Reichsstraße her, wo Mitglieder der Leipziger Fleischhauer- oder Metzgerzunft in einem fast vierzig Meter langen, zweischiffigen Erdgeschossgewölbe mit toskanischen Säulen ihre Produkte zum Kauf anboten.
Vor allem zu Messezeiten war die am Michaelistag, dem 29. September 1703 privilegierte „Chaisenträger-Compagnie“ begehrt. Sie mussten werktags zwischen 6 und 20 Uhr an der Börse aufwarten und Kundschaft aufnehmen, nachts mussten sich zwei Sänftenträger am „vor die Laternen-Wärter bestimmten Orte“ verfügbar halten. Sie waren städtische Angestellte und trugen eine Dienstuniform, wenn sie Passagiere gegen Bezahlung in Tragsesseln durch die engen Straßen der Stadt oder in die Vorstädte beförderten. Die Passagiere handelten die Bezahlung jeweils aus, wobei eine städtische Verordnung als Höchstbetrag innerhalb der Stadtmauern 2 Groschen, in die Vorstädte 4 Groschen festlegte. In welchem Maße Johann Sebastian Bach oder seine Ehefrau Anna Magdalena Bach hiervon Gebrauch machten, ist unbekannt.

Bildnachweis Graphik: Bach-Archiv Leipzig
Bildnachweis Fotografie Handelsbörse Atelier Hermann Walter: Stadtarchiv Leipzig
Bildnachweis Fotografie Naschmarkt Ostseite Atelier Hermnn Walter: Stadtarchiv Leipzig