Als musizierender Lakai gehörte Johann Sebastian Bach im Frühjahr und Sommer 1703 der Hofkapelle des mitregierenden Herzogs Johann Ernst III. von Sachsen-Weimar an, der bis zu seinem Tod am 10. Mai 1707 das Schloss bewohnte. Ob die Proben ebenfalls hier stattfanden, ist bislang unklar, ebenso, wo Bach wohnte. An den Hofmusiker bzw. nachmaligen Hoforganisten und Konzertmeister erinnert seit 1995 an der Südseite des Schlosses eine Bronzebüste.

Das „Rote Schloss“ säumt die Ostseite des Marktplatzes. Woher das Gebäude mit seiner rekonstruierten grauen Fassade den Namen erhalten hat, ist unklar; Bauhistoriker vermuten eine Ableitung von den rot gestrichenen Fensterrahmen. Entstanden ist es 1574–1576 für Herzogin Susanna Dorothea, der Witwe des am 2. März 1573 gestorbenen Herzogs Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar, die hier bis zu ihrem Tod am 8. April 1592 wohnte.

An der Kollegiengasse schließt sich im Norden der zweigeschossige Gleichensche Hof an, benannt nach den früheren Besitzern, den Grafen von Gleichen; das Gebäude wurde schon im frühen 17. Jahrhundert dem Roten Schloss eingegliedert. Nachdem ein Feuer am 2. August 1618 große Teile der benachbarten Residenz „Schloss Hornstein“ zerstört hatte, diente zunächst das vergrößerte Rote Schloss für mehrere Jahrzehnte als Residenz. Mit einem bedeckten Gang aus Fachwerk war das Gebäude mit der Residenz verbunden. Das heutige Aussehen entstand im 19. Jahrhundert, nachdem einige Erker und „Ausbauten“ entfernt worden waren. Nach umfassenden Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten ist das Rote Schloss mit dem benachbarten Gelben Schloss zum Studienzentrum der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek geworden und unterirdisch mit dem gegenüberliegenden Grünen Schloss verbunden, das die namensgebende Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar 1760 zum Bibliotheksgebäude bestimmt hatte.
Wie einstmals Johann Sebastian Bach betritt auch heute der Besucher das Rote Schloss durch ein farbig gefasstes Renaissance-Portal an der Kollegiengasse. Über dem Portal ist das Allianzwappen der Auftraggeberin angebracht, aus dem Giebelfeld blickt eine Porträtbüste des Herzogs Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar-Coburg. Dass der Landesherr zum Zeitpunkt der Herstellung bereits gestorben war, zeigen die Genien mit Sanduhr und Totenschädel auf der Außenseite des Giebels.

Fotos: Dr. Markus Zepf (Bach-Archiv Leipzig, Juni 2019)