Kaffeehäuser

In Leipzig etabliert sich schon im späten 17. Jahrhundert eine ausgesprochene Kaffeekultur – 1680 gilt die Messestadt neben Hamburg und Bremen als Kaffeehochburg, in der vier Jahrzehnte später acht Kaffeehäuser nachweisbar sind. Als Bach 1723 nach Leipzig kommt, sind acht "Oeffentliche Caffèe-Schencken" in Betrieb. Das älteste Kaffeehaus befand sich nur wenige Schritte von der Thomasschule entfernt in der Fleischergasse: der „Arabische Coffee Baum“. 1703 hat er sein heutiges Aussehen erhalten, 1718/19 ist er durch den „kurfürstlich sächsischen und königlich-polnischen Hof-Chocolatier“ Johann Lehmann zu einem großzügigen Kaffeehaus umgebaut und von dessen Witwe erfolgreich 20 Jahre lang betrieben worden – obwohl Frauen sowohl der Besuch als auch die Bedienung in Kaffeehäusern angeblich untersagt war. Über dem Eingang zeigt die Johann Benjamin Thomae zugeschrieben Sandsteinplastik einen Araber unter einem Kaffeebaum liegend, dem ein Knabe (Amor?) eine Trinkschale reicht.

Bildnachweis: Bach-Archiv Leipzig (Dr. Markus Zepf, März 2020)

Eng mit dem Wirken Johann Sebastian Bachs verbunden ist jedoch das 1716/17 durch Ratsbaumeister Christian Döring für den Weinhändler Johann Schellhafer an der Ecke Katharinenstraße 14 / Böttchergässchen errichtete Kaffeehaus, das der aus Dresden stammende Cafétier Gottfried Zimmermann bis zu seinem Tod am 30. Mai 1741 erfolgreich betrieb. Seine Witwe Christiane Elisabeth Zimmermann verlegte das Kaffeehaus einige Zeit später in die Reichsstraße und Enoch Richter übernahm das bisherige Zimmermannsche Kaffeehaus; zuvor hatte Richter (vermutlich 1732-1736) an der Ecke Markt / Thomasgässchen ein Kaffeehaus betrieben, das er später im Barfußgäßchen, Ecke Klostergasse, gegenüber von Schellhafers Haus, weiterführte.

In Zimmermanns Kaffeehaus trat in der „Winters-Zeit Freytags […] Abends von 8. biß 10. Uhr“ jenes Collegium Musicum auf, das Johann Sebastian Bach Ende März 1729 vom Neukirchen-Organisten Georg Balthasar Schott übernommen hatte. In den Sommermonaten hingegen traten sie mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr in Zimmermanns Kaffee-Garten „vor dem Grimmischen Thore, auf dem Grimmischen Stein-Wege“ auf (Dok II, Nr. 326), dessen genaue Lage aber unbekannt ist. In Zimmermanns Kaffeehaus erklang am 19. Februar 1734 Bachs „solenne Music“ zur Krönung des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. zum König August III. in Polen, Blast Lärmen, ihr Feinde! Verstärket die Macht BWV 205.2 (Dok II, Nr. 348). Im Sommer 1737 gab Bach die Leitung zeitweilig an den Organisten Carl Gotthelf Gerlach ab, übernahm sie aber erneut vom 2. Oktober 1739 bis 1741, was mit Zimmermanns Tod in Verbindung stehen könnte.

Ein erster Auftritt des Bachschen Collegium Musicum in Zimmermanns Kaffeegarten ist für den 17. Juni 1733 im Anschluss an die fünfmonatige Landestrauer auf den Tod von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen nachgewiesen. Bach präsentierte „dabey ein neuer Clavicymbel, dergleichen allhier noch nicht gehöret worden, und werden sich die Liebhaber der Music, wie auch die Virtuosen hierzu einzustellen belieben.“ (Dok II, Nr. 331). Was es mit diesem neuen Tasteninstrument auf sich hatte, ist unklar; Hubert Henkel vermutete, dass es sich um ein frühes Hammerklavier gehandelt haben könnte.

Am heutigen "Katharineum" erinnert eine Gedenktafel an die historische Spielstätte von Johann Sebastian Bachs "Collegium Musicum".

Bildnachweis: Bach-Archiv Leipzig (Foto März 2020: Dr. Markus Zepf)