Bachhaus

Als Johann Ambrosius Bach im Oktober 1671 sein Probespiel in Eisenach erfolgreich bestanden hatte, gewährte ihm der Stadtrat im Anstellungsvertrag unter Punkt 7 drei Jahre freie Wohnung. Den Mietzins in Höhe von 10 Gulden (= fl.) bezahlte die Stadtkasse an Oberförster Balthasar Schneider, der laut erhaltener Steuerlisten von 1679/80 in der heutigen Ritterstraße 11 wohnte. Hier dürften Johann Ambrosius und Elisabeth Bach mit ihrem in Erfurt geborenen ältesten Sohn Johann Christoph die ersten drei Jahre verbracht haben. Am 6. März 1673 kam der zweite Sohn Johann Balthasar zur Welt, dessen Namensgeber und Pate Oberförster Balthasar Schneider wurde; der Knabe starb am 5. April 1691. Zum Haushalt gehörten ferner Bachs 1679 gestorbene geistig behinderte Schwester Dorothea Maria sowie die Stadtpfeifer-Lehrlinge.

Zu einem unbekannten Zeitpunkt erwarb Johann Ambrosius Bach ein eigenes Haus in der heutigen Lutherstraße 35 – die Straße führt vom Lutherhaus zum Bachhaus. Von dem Gebäude sind keine Ansichten oder Grundrisse überliefert. Nach dem Tod seiner Frau Elisabeth Bach am 3. Mai 1694 heiratete Johann Ambrosius Bach am 27. November 1694 die aus Arnstadt stammende Barbara Margaretha Keul. Wenige Wochen später starb Johann Ambrosius Bach am 20. Februar 1695. Seine beiden jüngsten Söhne, Johann Jacob und Johann Sebastian, kamen zur weiteren Ausbildung zu ihrem ältesten Bruder, Johann Christoph Bach, nach Ohrdruf. Wenig später verliert sich die Spur der Witwe.

Mitte des 19. Jahrhunderts begab sich der Bach-Biograph Carl Hermann Bitter auf die Suche nach Johann Ambrosius Bachs Wohnhaus. Er befragte ältere Eisenacher und stieß auf das Ackerbürgerhaus am Frauenplan 21, das er als Johann Sebastian Bachs Geburtshaus publik machte. Dieses heute als Bachhaus weltweit bekannte Gebäude besteht aus zwei 1456 und 1458 entstandenen Gebäudeteilen, die 1611 vereint worden waren und inzwischen zu Eisenachs ältesten Wohnhäusern zählen.Der Eisenacher Lokalhistoriker Fritz Rollberg wies 1927/28 in mehreren Aufsätzen (unter anderem im Bach-Jahrbuch) nach, dass Johann Ambrosius Bach und seine Familie das Haus am Frauenplan 21 nie bewohnt hatten.

1746–1779 lebte in dem Gebäude die Familie von Caroline Amalie Rausch geb. Bach. Ihr Bruder, der Eisenacher Hofkapellmeister Johann Ernst Bach, hatte bei seinem Paten Johann Sebastian Bach in Leipzig einen Teil seiner Ausbildung absolviert. Über dem Hauseingang informiert eine vom Eisenacher Musikverein gestiftete Bronzetafel zum Wissensstand Mitte des 19. Jahrhunderts: "Johann Sebastian Bach wurde am 21. März 1685 in diesem Hause geboren. Gestiftet 1868". Als das Gebäude 1905 abgebrochen werden sollte, erwarb auf Initiative des Sängers Siegfried Ochs die Neue Bachgesellschaft mit finanzieller Unterstützung diverser Regenten, Musiker und Musikverlage das Wohnhaus. Am 27. Mai 1907 öffnete das Bachhaus Eisenach als weltweit erstes Museum zu Leben und Werk Johann Sebastian Bachs. Im Zuge einer Sanierung wanderte 1972 die Tafel über dem Eingang ins Magazin, kehrte aber als historisches Dokument 2007 an ihren ursprünglichen Platz zurück. Ein moderner Erweiterungsbau öffnete 2007 seine Pforten.

Im Zuge einer Neugestaltung der Grünanlage vor dem Bachhaus fand 1938 Adolph von Donndorfs Bach-Denkmal von der Georgenkirche hierher.

Bildrechte Wohnhaus Lutherstraße 35: Dr. Markus Zepf (Bach-Archiv Leipzig, Juni 2019)
Bildrechte Bachhaus: Bachhaus Eisenach (Foto Gebäude: André Nestler, Juni 2009; Garten und Bach-Denkmal: Ulrich Kneise)