Eisenach – Kindheit

Nach dem alten julianischen Kalender wurde Johann Sebastian Bach am 21. März 1685 in Eisenach geboren und zwei Tage später, am Montag nach Sonntag Oculi, in der Georgenkirche durch Magister Johann Christoph Zerbst getauft. Im Februar 1700 führten die protestantischen Länder des Heiligen Römischen Reichs den verbesserten Kalender ein, den Papst Gregor XIII. im Oktober 1582 bereits für die katholische Kirche als verbindlich erklärt hatte. Dem "verbeßerten Calender" folgend, wäre Bachs Geburtstag der 31. März.

Johann Sebastian Bachs Vater Johann Ambrosius hatte 1671 die Leitung der Eisenacher Stadtmusik übernommen und war mit seiner Familie im Oktober von Erfurt hierher gezogen. Zu seinen Dienstpflichten gehörte das tägliche Spielen ("Abblasen") mit vier Gesellen vom Rathausturm, nämlich "mittags ümb 10 uhr, deß abends aber ümb 5 uhr", wie die Anstellungsurkunde ausführt. Weiter hatten Johann Ambrosius Bach und seine Gesellen sonn- und festtags "vor undt nach der Predig, vor undt nachmittag beym Gottes Dienst nach anordnung des Herrn Cantoris aufzuwarten". Zu seiner Entlohnung gehörte eine bestimmte Menge Leichtbier (sogenanntes Koffent, das aus dem zweiten Aufguss gewonnen wird) aus dem städtischen Brauhause sowie das Recht, für seinen Haushalt Bier zu brauen. Johann Sebastian Bach wuchs bis zum Tod seiner Eltern 1694/95 wuchs Johann Sebastian Bach folglich in einer gut situierten und musikalischen Umgebung heran.

Die Gegend um Eisenach war bereits in vorchristlicher Zeit besiedelt. Urkundlich ist Eisenach Mitte des 12. Jahrhunderts als wichtiger Handelsplatz, am Zusammenfluss von Nesse und Hörsel, im Knotenpunkt von vier Tälern mit Münzrecht belegt. Die Lage an der Fernhandelsstraße ins Rheinland begünstigt die Entwicklung der Stadt, ebenso der Hof der Landgrafen von Thüringen, der Dichter und Künstler anzieht.

Der idealisierte Kupferstich von Caspar und Matthäus Merian zeigt Eisenach in der Mitte des 17. Jahrhunderts am Fuße der Wartburg (Schloss Wartenberg). In der Bildmitte ist der Marktplatz von der Stadtkirche St. Georgen (2), dem 1507 auf der Nordseite errichteten "Fürstl. Residentz Schloß" (1) sowie dem Rathaus mit seinem markanten Türmchen (3) umgeben. Die Stadtmauer trennt die Altstadt von den Vorstädten. Zahlreiche Kirchen und Klöster prägen das Stadtbild. Die Lateinschule besucht Martin Luther, der im Hause der Familie Cotta oberhalb des Markts (heute Lutherstraße 8) materielle Unterstützung erhält. Die 1528 eingeführte Reformation führt zur Schließung der meisten Eisenacher Klöster und Säkularisierung von Kirchen. 1672 gründet Herzog Johann Georg I. von Sachsen-Weimar das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, das 1741 wieder an Weimar fällt.

Johann Bergenelsen beschreibt 1708 Eisenach als eine "ziemlich starck bewohnte" Stadt mit rund 15.000 Einwohnern. Drei Jahrzehnte später besuchte der Straßburger Orgelbauer Johann Andreas Silbermann am 28. Februar und 1. März 1741 die Residenz und notierte in seinem Tagebuch, dass hier wie auch in Gotha "fast alle 60 schriet 3eckigte blechene laternen" stehen, die nachts angezündet werden. Weniger vorteilhaft nimmt sich seine Beschreibung der Kleidung aus: "Die tracht der Weibsleuthe sieht recht alber aus, sie lauffen alle mit schwartzen Mändeln |: es mag regnen oder nicht :| wie in Straßburg die Gardner haben, und meistens baarfuß, auf den Köpffen haben sie dicke peltzlappen."

Bildnachweis: Bach-Archiv Leipzig